Qualitätsvorausplanung QVP

Die Qualitätsvorausplanung ist die Grundlage zur potentiellen Fehlervermeidung und ständigen Verbesserung. Der Qualitätsvorausplanungsprozess umfasst alle Schritte von der Entwicklung bis zur Serienfertigung. Sie soll sicherstellen, daß in der laufenden Serie Zulieferteile zur richtigen Zeit, am richtigen Ort in der richtigen Menge und Qualität zum vereinbarten Preis zur Verfügung stehen. WIKA behält sich vor, bei ausgewählten Projekten die Qualitätsvorausplanung des Lieferanten zu unterstützen. Es wird jedoch generell empfohlen die WIKA-QVP-Checkliste zu verwenden oder inhaltlich mit eigenen Dokumenten abzustimmen.

1. Zeichnungen / Spezifikationen / Normen

WIKA stellt bereits zur Auftragsvergabe eine Zeichnung und/oder 3D-Datensatz mit dem Änderungsstand ≥ 01 zur Verfügung. Die Werkzeugkonzeption des Lieferanten basiert auf diesem Stand und der bestätigten Herstellbarkeitsanalyse für kritische Bauteile. In der Zeichnung angegebene WIKA-Spezifikationen werden durch WIKA beigestellt.

Allgemeingültigen Normen und Spezifikationen

Der Lieferant hat dafür Sorge zu tragen, dass sämtliche auf der Zeichnung geforderten oder zur Produktion erforderlichen Unterlagen im jeweils aktuellsten Stand vorliegen.

2. Projektterminplan

Der Projektterminplan ist vor Auftragsvergabe, sofern gefordert, dem Projekteinkauf vorzulegen. Er enthält alle maßgeblichen Schritte, Termine und Meilensteine des Projektablaufes. Seine Freigaben der einzelnen Stufen der Produkt- und Prozessentwicklung hat der Lieferant zu bewerten  und zu dokumentieren. Der Lieferant stellt den Terminplan unaufgefordert für jede Projektphase dem Projekteinkauf vor.

3. Prozessablaufplan

Der Prozessablaufplan wird auf Anforderung von WIKA erstellt und ist eine grafische Darstellung (Flow chart) des gesamten Herstellungsprozesses. Er wird ergänzt durch eine kurze Beschreibung der einzelnen Produktions- und Prüfschritte.

4. FMEA

 Die FMEA ist eine systematische analytische Methode zur Bewertung möglicher Fehler und deren Folgen. Sie ist ein Know-How-Speicher durch den Entscheidungen nachvollziehbarer werden. Der Lieferant erstellt eine produktbezogene FMEA und aktualisiert diese regelmäßig anhand von Ausschußzahlen und Kundenreklamationen. WIKA akzeptiert eine Trennung in prozess- und produktbezogene FMEA. Gegebenenfalls erfolgt eine Abstimmung mit der WIKA-FMEA.

5. Produktionslenkungsplan (Control plan)

Der Produktionslenkungsplan beschreibt das System und die Prozesse zur Produktlenkung durch Auflistung der einzelnen Prüfschritte, Prüfmittel, Prüffrequenzen und Dokumentation. Er enthält u.a. alle besonderen (kritische/signifikante) Merkmale, die in der Zeichnung und Spezifikationen dargestellt werden und/oder aus der FMEA abgeleitet wurden. Maschinen- und Prozessfähigkeitsuntersuchungen sind bei Bedarf mit einzuplanen (siehe hierzu auch Pkt. 9). Im Bedarfsfall wird dieser mit der Erstmusterbestellung angefordert.

6. Lehren / Messmittel / Messsystemanalyse (MSA)

Um die Sicherheit der Produktion fehlerfreier Einheiten zu gewährleisten ist die Auswahl geeigneter Messmittel notwendig. Der Lieferant ist für die Auswahl, den Einsatz und die regelmäßige Prüfung der Messmittel verantwortlich. Die Eignung der Messmittel wird mittels einer Messsystemanalyse nachgewiesen. Das hier zu verwendende Formular wird bei Bedarf durch WIKA dem Lieferanten zur Verfügung gestellt. Lehren werden in Abstimmung mit WIKA erstellt. Der Lieferant trägt Sorge für die Unversehrtheit und sachgerechte Lagerung des Kundeneigentums. Die Messmittelüberwachung obliegt dem Eigentümer.

7. Rückverfolgbarkeit

Um eine Rückverfolgbarkeit bis hin zum Wareneingang gewährleisten zu können, muss der Lieferant für eine lückenlose Kennzeichnung der Materialien und Teile bzw. die eindeutige Identifizierbarkeit des jeweiligen  Fertigungsschritts sorgen. Die Kennzeichnung gibt dabei Auskunft über das verwendete Material, die Artikelnummer, die Menge, die Chargennummer, das Fertigungsdatum, den jeweiligen Fertigungsstand sowie  die durchgeführten Zwischenprüfungen mit entsprechendem Prüfvermerk. Dieses Dokumentationssystem gewährleistet eine Eingrenzung aller Produkte. In Absprache mit dem zuständigen Einkäufer wird unter Berücksichtigung wirtschaftlicher Aspekte und des damit verbundenen Risikos die maximale eingrenzbare Losgröße festgelegt. WIKA behält sich das Recht vor, eine maximale eingrenzbare Losgröße vorzugeben.

8. Teilelebenslauf

WIKA empfiehlt seinen Lieferanten für jede Artikelnummer, die zum Serieneinsatz kommt, einen Teilelebenslauf zu erstellen,  der sämtliche Material-, Produkt-, Werkzeug- und Prozessänderungen mit Einsatztermin (Losnummer / Aus- lieferungsdatum) enthält. Einer Produktfamilie angehörende Teile können nach Rücksprache auch in einem  Lebenslauf zusammengefasst werden. WIKA behält sich jedoch vor, diesen für bestimmte Projekte explizit zu fordern. Den Teilelebenslauf kann WIKA jederzeit uneingeschränkt vom Lieferant anfordern.

9. Funktionstests

Der Lieferant hat alle Funktionstests nach Zeichnung und gültigen Spezifikationen als Teil der Erstbemusterung durchzuführen.

10. Maschinen-/Prozessfähigkeitsuntersuchungen

Vorbereitend zur Erstbemusterung führt der Lieferant Maschinenfähigkeits- und Prozessfähigkeitsuntersuchungen entsprechend den in der Zeichnung gekennzeichneten Merkmalen durch. Zielgrößen für CMK/CPK-Werte werden durch WIKA im Erstmusterprüfbericht in Abhängigkeit vom beurteilten Prozess festgelegt.

11. Vorbeugende Instandhaltung

Der Lieferant ist dazu verpflichtet, einen Ablauf zur vorbeugenden Instandhaltung zu gewährleisten, mit dessen Hilfe die Lieferfähigkeit jederzeit sichergestellt werden kann.

Dieser Plan beinhaltet unter anderem folgende Punkte:

  • Einrichtungen für Instandhaltung/Reparaturen
  • Lagerung und Überholung   
  • Ein- und Umrüstung
  • Werkzeugwechselprogramm für Verschleißwerkzeuge

Bei der Vergabe einer dieser Aufgaben an einen Unterauftragnehmer ist vom Lieferanten ein Überwachungs- bzw. Verfolgungssystem hierfür aufzubauen. Eine eindeutige und zweifelsfreie Zuordnung eines Werkzeugs zum jeweiligen Eigentümer muss während des gesamten Prozesses gewährleistet werden können.

12. Notfallplan

Für Prozesse, die Einfluss auf die Lieferfähigkeit haben, ist eine Notfallstrategie zu entwickeln (z.B. Sonderwerkzeuge / Engpassmaschinen / Prüfmittel / Ersatzteilversorgung / Maschinen u. Messmittel / Unterbrechung der Strom-/Gas- oder Wasserversorgung).

13. Beigestellte Produkte

Bei von WIKA beigestellten Produkten und Verpackungen führt der Lieferant eine Wareneingangsprüfung durch, bei  der er die Beistellteile auf Menge, Identität und visuell erkennbare Schäden überprüft. Messaufgaben werden mit WIKA abgestimmt.

14. Prototypen und Vorserienteile

Alle Prototypen und Vorserienteile müssen entsprechend dem abgebildeten Entwicklungsstand eindeutig und ausreichend gekennzeichnet sein. A-Muster (Prototyp) = Produkte und Materialien, die nicht vollständig unter serienmäßigen Bedingungen hergestellt wurden. B-Muster (Vorserie) = Muster, das noch nicht mit den für die spätere Serienfertigung vorgesehenen Einrichtungen, Verfahren und/oder teilweise unter den Bedingungen der Serienfertigung hergestellt wurde. 

15. Prozessabnahme

WIKA führt bei Lieferanten Prozessabnahmen basierend auf der WIKA-eigenen Checkliste durch. Die Planung der Prozessabnahme erfolgt in Abstimmung mit der zuständigen Stelle beim Lieferanten.

Die Prozessabnahme kann im Rahmen der Erstbemusterung von WIKA durchgeführt werden (z.B. neuer Lieferant). Nach durchgeführter Abnahme wird der Lieferant über das Auditergebnis innerhalb einer Arbeitswoche informiert, in der Regel jedoch noch am Besuchstag. Wurden aufgrund des Ergebnisses Verbesserungsmaßnahmen notwendig, so hat der Lieferant einen Maßnahmenplan zu erstellen und diesen im vereinbarten Zeitraum an den Lead Auditor von WIKA zu senden. Inhalte der Prozessabnahme sind u.a. Kapazitätsbetrachtungen, Einhaltung von Zykluszeiten, Unterlagen zur Erstbemusterung und Qualitätsvorausplanung. Optional führt WIKA ein Prozessaudit nach VDA 6.3 durch (siehe Element Serienbelieferung Pkt. 7 (6) Prozessaudit)

16. Materialdatenerfassung

Die Materialdatenerfassung ist auf Verlangen von WIKA Bestandteil der Bemusterung. Der Lieferant stellt die erforderlichen Angaben in das jeweilige System ein und WIKA kostenfrei zur Verfügung. Weiterhin hat der Lieferant auf Verlangen ein Konzept zur Entsorgung bzw. Wiederverwendung vorzulegen.

IMDS (International Material Data System / Internationales Material –Daten System)

Mit IMDS wird ein Archiv-, Austausch- und Verwaltungssystem für die Automobilindustrie bezeichnet. Auf seiner Basis wird ein Materialdatenblatt erstellt, in dem für das betreffende Bauteil alle verwendeten Werkstoffe und anteiligen Stoffkomponenten benannt sind sowie alle erforderlichen Daten erfasst werden, die für das spätere Recycling des Fahrzeugteils notwendig sind.

REACH (Registration, Evaluation, Authorisation and Restriction of Chemicals / Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung von Chemikalien)

Es handelt sich dabei um eine EU-Chemikalienverordnung, die am 1. Juni 2007 in Kraft getreten ist. Als EU-Verordnung besitzt REACH gleichermaßen und unmittelbar in allen Mitgliedstaaten Gültigkeit.

RoHs (Restriction of the use of certain hazardous substances / Beschränkung der Verwendung bestimmter gefährlicher Stoffe)

Die EG-Richtlinie 2002/95/EG zur Beschränkung der Verwendung bestimmter gefährlicher Stoffe in Elektro- und Elektronikgeräten regelt die Verwendung von Gefahrstoffen in Geräten und Bauteilen. Sie, sowie die jeweilige Umsetzung in nationales Recht, wird zusammenfassend mit dem Kürzel RoHS bezeichnet.

17. Erstbemusterung

Die Erstbemusterung ist der Abschluss der Vorserienphase und Übergang zur Serie. Sie dient zur abschließenden Prüfung und Freigabe der Bauteile für die Verwendung in der Serie. Erstmuster sind die Produkte, die bereits mit serienmäßigen Betriebsmitteln, am vorgesehenen Standort und unter serienmäßigen Prozessbedingungen hergestellt werden. Hierdurch soll sichergestellt werden, dass die vom Lieferanten hergestellten Produkte alle WIKA-Anforderungen nach Zeichnung und Spezifikation erfüllen. C-Muster (Nullserie) = Muster, das ausschließlich mit den für die Serienfertigung vorgesehenen Einrichtungen und Verfahren unter den zugehörigen Randbedingungen gefertigt ist. Bauteile ab Änderungsindex 01. Die Erstbemusterung ist für WIKA kostenlos.

Erstmusterprüfbericht

Das Formular wird dem Lieferanten durch WIKA unmittelbar nach Beauftragung zur Verfügung gestellt. Der Lieferant vervollständigt diesen Bericht. Bei Werkzeugen mit mehreren Formnestern erfolgt für jedes Formnest eine eigene Erstbemusterung.

Vorlagestufen

WIKA behält sich grundsätzlich die Entscheidung über die Vorlagestufe vor. Als Standard gilt die im PPF-Verfahren (VDA Bd. 2) angegebene Stufe 3.

Zusendung und Freigabe

Die Unterlagen sind komplett in einem Ordner via E-Mail an EMPB-undSerienreport@wika.de zu senden. Die Erstmusterteile werden ausreichend gekennzeichnet an WIKA versandt, die Kennzeichnung stellt die Zuordnung der Teile zum Prüfbericht sicher. Vor einer schriftlichen erteilten Freigabe dürfen vom Lieferanten keine Serienteile an WIKA geliefert werden.

Nachbemusterung

WIKA behält sich das Recht vor, die Kosten einer Nachbemusterung gegenüber dem Lieferanten geltend zu machen, falls die Erstmusterfreigabe aufgrund mangelhafter Vorbereitung durch den Lieferanten nicht gewährt werden kann.

18. Referenzmuster

Ein Referenzmuster hat den Zweck, eine Hilfestellung für das hergestellte Qualitätsniveau zu liefern, was  besonders dann von großer Bedeutung ist, wenn Daten nur unzureichend vorhanden oder nicht eindeutig  sind und somit eine Freigabe der Teile nicht möglich ist. WIKA-Empfehlung: Der Lieferant behält mindestens ein Referenzmuster für denselben Zeitraum wie die Dokumente der Erstbemusterung bei sich. Das Referenzmuster muss als solches gekennzeichnet sein und maßlich mit den ausgelieferten Teilen übereinstimmen. Für jede Kavität eines Werkzeugs oder Prozesses muss, sofern nicht anders vereinbart, ein Referenzmuster vom Lieferant zurückbehalten werden.

19. Abnahmeprüfzeugnisse

Sofern von WIKA in den Bestellunterlagen oder den technischen Unterlagen gefordert, ist die Prüfbescheinigung gemäß DIN EN ISO 10204 in ihrer jeweiligen aktuellen Form zu erstellen. Ausnahmen von  dieser Regelung sind gesondert auszuhandeln und im Auftrag schriftlich nachzuweisen. Die Bescheinigung der Prüfergebnisse wird von einer von der Fertigungsabteilung unabhängigen Abteilung  herausgegeben und von einem beauftragten Sachverständigen des Herstellers bestätigt. Prüfergebnisse auf  Grundlage spezifischer Prüfungen, d.h. Prüfungen nach den in der Bestellung vorgegebenen technischen  Bedingungen sind Inhalt der Prüfbescheinigung. Um festzustellen, ob die Teile den in der Bestellung festgelegten Anforderungen entsprechen ist auf eine übersichtliche Darstellung von Soll- und Ist-Werten zu achten.  Die Sollwerte werden hierbei den techn. Unterlagen entnommen. Das Abnahmeprüfzeugnis muß WIKA in elektronischer Form spätestens beim Eintreffen der Ware vorliegen.

20. Verpackung

Die Wahl der Verpackung hat Auswirkung auf die Produktqualität und muß daher schon vor Serienanlauf zusammen mit WIKA festgelegt werden.
Ggf. sind Transport- und Verpackungsversuche zur Prüfung der Eignung der Verpackung einzuplanen.

21. Aufbewahrungsfristen

In Hinsicht auf die Verjährungsfristen von Produkthaftungsansprüchen wird dem Lieferant zu Aufbewahrungszeiträumen bis zu 30 Jahren geraten.

22. Requalifikation

Die Requalifikation ist eine periodische Überprüfung des betroffenen Bauteils. Ggf. erfolgt die Requalifikation über eine Selbstbescheinigung (VDA 2, 4.10). Umfang und Häufigkeit ist mit dem zuständigen WIKA-SQE abzustimmen.

23. Norm- und Katalogteile und –materialien

  • Bemusterung Normteile/-materialien => Erstbemusterung entfällt
  • Bemusterung Katalogteile/-materialien => nur auf besondere Anforderung durch WIKA

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