Lieferantenauswahl

1. Lieferantenqualifikation

Qualitäts Management System

Als Mindestanforderung an seine Lieferanten fordert WIKA den Nachweis eines wirksamen Qualitätsmanagementsystems, das den Anforderungen der Normenreihe ISO 9001 entspricht. Für Lieferanten, deren Produkte in ihrer weiteren Verwendung in die Automobilindustrie fliessen gelten die Normenforderung gemäß ISO/ TS 16949. Als Nachweis für die Einführung o.g. Systeme gilt ein aktuelles Zertfikat einer anerkannten Zertifizierungsgesellschaft. Jegliche Veränderung des Zertifizierungsstatus sind vom Lieferanten unverzüglich dem zuständigen Einkaufsmitarbeiter von WIKA zu melden.

Umwelt Management System

Lieferanten von WIKA sollten wie WIKA selbst eine Zertifizierung nach EMAS oder ISO 14001, zumindest aber eine Dokumentation über regelmäßige Verbesserungsmaßnahmen hinsichtlich der Umwelt, vorweisen können. Der Lieferant verpflichtet sich, die gesetzlichen Grenzwerte, die jedoch nur Minimalforderungen darstellen, bei den Herstellungsprozessen der Teile und den dazu verwendeten Materialien, einzuhalten. Änderungen dieser Anforderungen durch den Gesetzgeber sind zwar zu berücksichtigen, es besteht jedoch keine Informationspflicht an WIKA. Untersuchungsergebnisse sowie Informationen über das Lieferanten - Umweltmanagement sind unaufgefordert vorzulegen.

 

2. Selbstauskunft

Neue Lieferanten werden zunächst anhand eines standardisierten Formblattes zur Selbstauskunft bewertet. Hierbei geht es zunächst um generelle Fragen zu Unternehmensgrösse/ Struktur/ Rechtsform/ Technologie/ Ressourcen/ QM-System... Anhand dieser Selbstauskunft entscheidet das Commodity Team, bestehend aus dem Lead Buyer (Einkäufer), SQE (Supplier Quality Engineer, Lieferantentwicklung) sowie SLE (Supplier Lead Engineer, Technische Unterstützung),  über die weitere Vorgehensweise. 

 

3. Vor-Audit und Prozessaudit

WIKA führt bei potenziellen Lieferanten vor Auftragsvergabe ein Vor-Audit basierend auf der WIKA-eigenen Checkliste durch. Der Zweck des Vor-Audits ist es, die Fähigkeit eines neuen Lieferanten zur Erfüllung von WIKA-Vorgaben zu überprüfen und somit eine der Grundlagen zur Entscheidung über die weitere Zusammenarbeit mit dem Lieferanten zu liefern. Nach durchgeführtem Audit wird der Lieferant über das Auditergebnis innerhalb einer Arbeitswoche informiert. Wurden aufgrund des Auditergebnisses Verbesserungsmaßnahmen notwendig, so hat der Lieferant einen Maßnahmenplan zu erstellen und diesen im vereinbarten Zeitraum an den Lead Auditor von WIKA zu senden. Ein Nachaudit ist bei dieser Auditform nicht vorgesehen, da bei Auftragsvergabe zwingend ein Prozessaudit durchgeführt wird, bei dem alle offenen Punkte aus dem Vor-Audit abgeprüft werden können. Das Vor-Audit wird entweder durchgeführt vom Commodity Team oder vom entsprechenden IPO (int. Einkaufsverantwortlicher des jew. Einkaufsgebietes) mit Qualitätsunterstützung der entsprechenden WIKA-Niederlassung. Dies ist i.d.R. abhängig vom Produktionsstandort des jeweiligen Lieferanten.

Das Prozessaudit wird dann zur endgültigen Prozessfreigabe durchgeführt und orientiert sich in der Regel zeitlich an der Erstbemusterung. Das Prozessaudit wird vom Lieferantenentwickler (SQE) des jeweiligen Commodity Teams durchgeführt. Bezüglich des Maßnahmenplanes ist beim Prozessaudit die Vorgehensweise die Gleiche wie beim Nachaudit. Jedoch kann es aufgrund des Auditergebnisses zu einem Nachaudit kommen.
 
Beide Audits beinhalten die Elemente 1-4 des Fragenkataloges nach VD 6.3. Die Einstufung/ Bewertung des Vor-Audits und des Prozessaudits erfolgen nach VDA 6.1  (s. nächster Punkt).

 

4. Einstufung & Freigabe

Aus den jew. Einzelbewertungen wird ein Erfüllungsgrad in Prozent ermittelt. Folgende Einstufungen sind für den Lieferanten demnach möglich:

  • >= 90 Prozentpunkte         -> A-Einstufung
  • >= 80 < 90 Prozentpunkte  -> B-Einstufung
  • < 80 Prozentpunkte           -> C-Einstufung

 

5. Herstellbarkeitserklärung

Bei der Herstellbarkeitbewertung wird beurteilt, ob ein angefragtes Teil im Rahmen der Vorgaben (Zeichnung/ Spezifikation) unter Serienbedingungen hergestellt werden kann. Die Herstellbarkeitsbewertung liegt in der Verantwortung des Lieferanten und bietet diesem die Möglichkeit, seine Erfahrungen und Vorschläge zum beiderseitigen Vorteil mit einzubringen. Idealerweise sollte dies in Zusammenarbeit mit dem zuständigen Projekteinkauf bzw. der zuständigen Konstruktionsabteilung von WIKA durchgeführt werden. Insbesondere sind angegebene Toleranzen unter statistischen Gesichtspunkten sowie die Funktion und Beanspruchung des Produktes zu beachten. Weiterhin ist eine Aussage darüber zu treffen, ob die Kapazität des Lieferanten die Lieferung der geplanten Stückzahlen erlaubt und die vorgesehenen Termine eingehalten werden können.

Methoden, die zur Herstellbarkeitsbewertung eingesetzt werden können, sind zum Beispiel:

  • Design of Experiments (DoE)
  • Fehler-Möglichkeits- und Einfluss- Analyse (FMEA)
  • Prozessfähigkeitsanalyse (SPC)
  • Fehlerbaumanalyse / Ishikawa Diagram

 

6. Lieferantenentwicklung

Die Lieferantenentwicklung von WIKA bietet die Möglichkeit einer Weiterentwicklung bestehender QM-Systeme im Sinne der Normforderungen ISO/ TS 16949. WIKA ist hier bereit mit Information, Wissen und Erfahrung seine Lieferanten zu unterstützen. Dies kann erfolgen durch z. B. regelmässige Lieferantenbewertung, klare Definition der zur Bemusterung erforderlichen Dokumente sowie Vorgehensweise, Schulung zum Einsatz der WIKA-spezifischen Werkzeuge bzw. allgemeinen Qualitätstools (z. B. FAI, 8D, Ishikawa, 5 Why), Abschluss einer Qualitätssicherungsvereinbarung (QSV), Definition klarer Ziele (z. B. ppm, Lieferzuverlässigkeit). Zusätzlich behält sich WIKA das Recht vor ein System-, Prozess-, und/ oder Produktaudit durchzuführen um sich vor Ort von der Effektivität des Qualitätsmanagementsystems zu überzeugen. Weiterhin ist der Lieferant verantwortlich für die Entwicklung seiner Unterlieferanten. 

Kontakt

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